Wohnsiedlung Altwarp

Der militärfreie Status des Dorfes Altwarp währte nur 8 Jahre, von 1946 bis 1953. Im August/September 1952 begann im ehemaligen Landkreis Ueckermünde der Aufbau umfangreicher Kasernenanlagen, so auch in Altwarp. Von diesem Zeitpunkt bis Ende 1990 waren verschiedene Einheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) hier in Altwarp stationiert, zuletzt die 1990 aufgelöste Fla.-Raketenabteilung 231 (Flugabwehr) und verschiedene Rückwärtige Einrichtungen und Lager der 3. Luftverteidigungsdivision (LVD) der ehemaligen NVA.
Die Armee wurde so zum größten Arbeitgeber in dieser strukturschwachen Region. So fanden um die 4000 Zivilbeschäftigte Lohn und Brot im Kreis Ueckermünde. Für die Berufssoldaten und ihre Angehörigen errichtete man in „Größenordnungen“ unmittelbar in der Nähe der Kasernen Wohnsiedlungen. So in Stallberg, Torgelow-Spechtberg, Torgelow-Drögeheide und Eggesin-Karpin.
Und so entstand auch In Altwarp, zwei Kilometer nördlich des Dorfes eine Siedlung. Dazu gehörten Ein- und Zwei- Familienhäuser und drei Wohnblöcke für je acht Familien und die dazugehörigen Versorgungseinrichtungen wie Gaststätte und Verkaufseinrichtungen.
Die Siedlung liegt an der Landstraße L31 Ueckermünde-Altwarp. Der Bau der Wohnsiedlung Altwarp begann 1954 und wurde 1956 fertiggestellt. Hier wohnten ca. 70 Berufssoldaten mit ihren Familien. Die entstandenen Siedlungshäuser waren ursprünglich als Reparationsleistungen Deutschlands an die damalige Sowjetunion gedacht (wurden auch „Russenhäuser“ genannt). Damit sollte die Wohnungsnot in den europäischen Gebieten der Sowjetunion gelindert werden.

Die politische- und militärische Entwicklung verlief jedoch anders. Interessant ist der Umstand, dass der Ursprung dieser Siedlungshäuser in der Oberlausitz, in Niesky liegt.Dort galt die Firma Christoph & Unmark AG schon lange vor dem 2. Weltkrieg als Europas größte und innovativste Firma für industriell gefertigte Holzhäuser. Die Häuser sind aus vorgefertigten Elementen in Holz-ständerbauweise errichtet  worden. Als Wärmeschutzisolierung der Außenwände dienten zwei Lagen 20 mm Wellpapptafel mit einem Luftzwischenraum und eine Schicht Glaswolle. Die Innenverkleidung erfolgte mit 5 mm Hartfaserplatten, deren Stoßstellen mit Leisten verkleidet wurden. Als Außenkleid bevorzugte man eine Stülpschalung aus Holz. Jedes Fenster war mit hölzernen Läden versehen, die jedoch mehr als Schuckelemente dienten. Beheizt wurden die Wohnungen mit gesetzten Kohle-Kachelöfen. In jedem Zimmer stand solch ein Ofen, was infolge der bescheidenen Wärmedämmung im Winter auch erforderlich war. Mit dem Isoliermaterial scheint man sehr sparsam umgegangen zu sein. Diverse Mengen Glaswolle fand man Jahre später bei der "Urbarmachung" des häuslichen Umfeldes vergraben in den Vorgärten. Die Küche war mit einer "Kochmaschine", also Holz/Kohleherd  mit Herdplatte und Backröhre ausgestattet.  In der Regel verbrauchte ein kleiner Haushalt im Jahr ca. 100 Zentner Braunkohlenbriketts, in den großen Häusern wesentlich mehr!.

Heute sind nur noch wenige Häuser in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Die Häuser sollten für ca. 20 Jahre ihren Dienst erfüllen. Danach erwartete man im Zuge des Wohnungsbauprogrammes neue Wohnungen. Eine Ringstraße um die Siedlung war gepflastert. Die Verbindungsstraßen innerhalb der Siedlung waren geschotterte Wege. Erst Anfang der 1990er Jahren erfolgte der Ausbau zu gepflasterten Straßen.Parallel zum Wohnungsbau entstanden verschiedene Versorgungseinrichtungen wie Gaststätte, Lebensmittelverkaufsstelle (HO), Fleischerei und Industriewarenladen (Waschmaschinen, Fahrräder, E.-Geräte, usw.). Ein Frisör, Kindergarten und Arztpraxis waren ebenso vorhanden. Später entstand noch eine Kindergrippe. In die damalige Kreisstadt nach Ueckermünde fuhren täglich mehrere Linienbusse.
Schülerbusse transportierten die Schüler nach Altwarp oder die höheren Klassen nach Vogelsang. Der Berufsverkehr erfolgte ebenfalls durch den volkseigenen Kraftverkehr. Der Individualverkehr war noch nicht ausgeprägt, nur wenige Einwohner besaßen einen privaten PKW.
So erfolgte das Leben in der Wohnsiedlung autark. Das Zusammenleben war geprägt von gegenseitiger Hilfe der Familien. Die Mehrzahl der Familien waren jung. Und durch den Kinderreichtum erfolgte ein recht buntes Treiben im Ort. Im Laufe der Jahre entwickelte sich in der Siedlung ein reges kulturelles Leben. Ein Dorfklub entstand und viele ehrenamtliche Helfer beteiligten sich im Rahmen der "Nationalen Front" am gesellschaftlichen Leben.
Gemeinsam mit den Altwarper Einwohnern wurden jählich ein Volksfest ausgerichtet. Das „Altwarper Volksfest“, fand an drei Folgetagen im Juni von Freitag bis Sonntag statt und erfreute sich eines regen Zuspruchs. Auch ein Kabarett war weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt.

Ab den 1970er Jahren waren Neubauten geplant, die dann 1982 realisiert wurden. Die Mehrzahl der Hausbewohner hatten sich jedoch in den Holzhäusern entsprechend eingerichtet und teils durch Privatinitiative den Ausbau ihrer Häuser vorangetrieben. Infolgedessen verzichtete man auf einen Abriss der Häuser und verkaufte diese an die bisherigen Mieter für einen geringen Betrag. Jeder Hausbesitzer rekonstruierte, renovierte und baute sein Haus ganz nach seinen Fertigkeiten und Möglichkeiten selbst aus. Infolge Modernisierungen, Erweiterungen und Umbauten ist der Charakter der Holzhäuser weitestgehend verloren gegangen. Der letzte Holzblock wurde im Herbst 2006 abgerissen. Nach 1989 konnten die Hauseigentümer auch Grund- und Boden erwerben.

Die entstandenen Lückenflächen wurden verkauft und es entstanden zusätzlich neue Eigenheime. Nach dem Anschluß der DDR an die Bundesrepublik wurde die Nationale Volksarmee 1990 aufgelöst, und die Berufssoldaten entlassen. Ein geringer Teil wurde in die Bundeswehr übernommen, andere suchten sich anderenorts eine Existenzgrundlage. Die Wohnungen leerten sich zusehends. Gegenwärtig ist ein hoher Leerstand der Wohnungen zu verzeichnen. Auch wechselte der Eigentümer der Wohnblöcke mehrmals. Da seit 1990 keinerlei Modernisierungen / Renovierungen mehr durchgeführt wurden, bieten die Wohnungen gegenwärtig wenig Anreiz gemietet zu werden.„Waldmeer, Sandmeer, Nichts mehr!“ – so war vor 1990 die Gegend bezeichnet worden. Nicht verwunderlich, da der hohe Anzahl der hier stationierten Soldaten wenig an Kultur und Freizeitmöglichkeiten geboten wurden. Selbst die jungen Mädchen waren "limitiert". Und so wurde das Soldatenleben als trist und eintönig beschrieben.

Ein Synonym aber, welches in der heutigen, hektischen und lauten Zeit einen Gewinn im Sinne von Natur und Erholung beinhaltet. Die Ueckermünder Heide bietet hier wilde Natur, naturbelassenen Strände gelten als „Geheimtipp“. Durch die Wälder sind endlose Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren möglich.

Zunehmend haben viele Urlauber und Feriengäste dieses Fleckchen Erde schätzen und lieben gelernt. Wen wunderts also, dass leer gewordene Einfamilienhäuser zunehmend an Interessenten deutschlandweit verkauft werden, die die Häuser als Zweitwohnung, Ferienwohnung oder als Altersruhesitz nutzen.

Natürlich ist man ohne eigenes Auto benachteiligt. Die Busverbindung in die Kleinstadt Ueckermünde ist sehr bescheiden. Nur zwei mal pro Tag verbindet ein Bus beide Ortschaften. Der tägliche Bedarf an Lebensmitteln kann zwar durch einen kleinen Landmarkt im Dorf sicher gestellt werden, der jedoch nicht alle Bedürfnisse befriedigen kann. Das 2 Km entfernte Dorf ist bequem mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Wegstrecke zum Haffbad Ueckermünde beträgt 15 Km. Ausflüge ins polnische Nachbarland mit Rad oder Schiff sind auch kein Problem.Insgesamt bietet die Umgebung ein vielfältiges Angebot an touristischen und kulturellen Möglichkeiten.


 J.N.