NVA - Standort

Als 1952 der Landkreis Ueckermünde zu einem Konzentrationsgebiet der Entwicklung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) wurde, erhielt Altwarp erneut den Status eines Militärstandortes. Teile einer "Mechanisierten Bereitschaft" wurden hierher verlegt und stationiert. In Zelten und Feldparks wurden in den Wäldern bei Altwarp von Juli bis September 1952 die ersten Einheiten aufgestellt.

Im Standort Altwarp I, in der Nähe der jetztigen Siedlung Altwarp, wurden ab Herbst 1952 folgende Einheiten stationiert:

1952

  • Dienststelle "Dienst für Deutschland". Diese Organisation wurde jedoch kurzfristig aus Wirtschaftlichkeitsgründen wieder aufgelöst.
  • Ein S-5 Kommando, (S-5 war die Tarnbezeichnung für Flakartillerie in HVA (Hauptverwaltung Ausbildung) und KVP,
  • Eine Kraftfahrzeugkompanie,
  • Eine Fraftfahrzeugschule.

1954

  • S-6 Kommando (Granatwerfereinheit, heute Minenwerfer?!)

Im September 1952 wurde mit dem Bau von Kasernen in der Nähe nordwestlich Altwarps begonnen, die im Frühjahr 1954 im wesentlichen fertiggestellt wurden. Der Bau erfolgte im Weswntlichen durch die damalige "Bau-Union", in der viele Bauarbeiter aus der gesamten Republik tätig waren. Einfache manuelle Arbeiten wurden während des Aufbaues durch Einheiten der Kasernierten Volkspolizei geleistet, die in Feldlagern in der Nähe untergebracht waren. Im Winter 1952/53 wurden die Einheiten in ihre Winterquartiere zurückverlegt, um im folgenden Frühjahr erneut zu Arbeitsleistungen herangezogen zu werden. Der Bau der Wohnsiedlung Altwarp I begann 1954 und wurde 1956 fertiggestellt. Hier wohnten ca. 70 Berufssoldaten mit ihren Familien.

Am 15.09.1956 wurde die 9. Panzerdivision der NVA bei Eggesin aufgestellt. Aus dem S-5 Kommando wurde das Flakregiment-9. 1957 erhielt dieses Regiment mit Fla-SFL (Fliegerabwehr-Selbstfahrlafette) - 57 mm neue Technik. Am 01.03.1959 erfolgte die Übergabe der Truppenfahne an das Flakregiment-9. Die Im August 1961 wurde die Kaserne geräumt und es erfolgte der Umzug in den Standort Eggesin/Karpin. Die Kraftfahrzeugkompanie und die Kraftfahrzeugschule blieben bestehen. 1956 entstand die Kfz.-Werkstatt-9 in Altwarp. Der Umzug zum Standort Eggesin/Karpin erfolgte dann im August 1961.

Ab Frühjahr 1962 wurden im Standort Altwarp Einheiten der Rückwärtigen Dienste der 3. LVD (Luftverteidigungsdivision) bis 1990 stationiert.
In der zweiten Entwicklungsetappe des Aufbaus der LSK/LV (Luftstreitkräfte / Luftverteidigung) formierten sich 1961 die bisherigen Fliegerdivisionen, Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten zu zwei gemischten Luftverteidigungsdivisionen mit neuen Aufgabenschwerpunkten.
Die 3. LVD war im Norden beheimatet. Der Gefechtsstand der Division befand sich in Cölpin bei Neubrandenburg, während sich der Stab in den Kasernenanlagen um den Flugplatz Trollenhagen befand.
In Altwarp waren einige der 3. LVD direkt unterstellten Einheiten wie der Kfz.-Transportzug 33, Kfz.-Werkstatt 33, Kfz.-Gerätelager 33, Chemisches- und Pioniergerätelager 33, Munitionslager 33 und Versorgungslager stationiert.
In der Zeit von 1961 bis 1964 wurden fünf Fla.-Raketenregimenter (FRR) mit je vier Feuerabteilungen und einer Technischen Abteilung neu aufgebaut und den Luftverteidigungsdivisionen zugeordnet. So wurde 1961 in Stallberg, im ehemaligen Landkreis Pasewalk, das Fla.- Raketenregiment-17 aufgebaut und stationiert (Stab und Technische Abteilung), davon die Fla.- Raketenabteilung-171 in Altwarp.

Mitte der 1970ger Jahre kam es zu Strukturveränderungen und 1981 wurde das Fla.- Raketenregiment-17 Stallberg in Fla.- Raketenregiment-23 umbenannt. Die Fla.- Raketenabteilung Altwarp war nun die FRA-231.

Die Kommandeure der Fla.- Raketenabteilung in Altwarp waren:
Major Fritz, Oberstltn. Heimbuch, Oberstltn. Dietzschold, Oberstltn. Seidel und Major Löffler.
Die Flaraketenabteilung wurde 1990 aufgelöst.
Des weiteren lag in Altwarp-Dorf ein Stützpunkt der Grenzbrigade/Küste mit zwei Schiffen und ca. 30 Mann.

Viele Altwarper Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Dörfer fanden als Zivilbeschäftigte in den drei NVA- Dienststellen bis 1990 Lohn und Brot.
Die Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit bewohnten wegen der Nähe zur Dienstelle die Siedlung. Die Liegenschaft der ehemaligen NVA- Dienststelle wurde an Privat veräußert. Weitreichende Pläne einer Gewerbeansiedlung konnten nicht verwirklicht werden. Verschiedene Gebäude wurden mit Photovoltaikanlagen bestückt. Die restlichen Gebäude sind dem Verfall preisgegeben.


Quelle: "Militärgeschichtliche Skizzen über den Landkreis Ueckermünde 1949-1990" von Willi Eckert

Weitere, ausführliche Informationen
über die Fla- Raketenabteilung 231
in Altwarp