Altwarp - ein Fischerdorf

Altwarp - ein Fischerdorf erwartet Sie
Ein uraltes Fischerdorf, umgeben von einer Natur und Weite, die nicht nur den Großstädtern ein tiefes Durchatmen ermöglicht. Der Ort verspricht, seine Besucher nicht zu enttäuschen. Gleich hinter dem Dorf laden die Binnendünen zu Entdeckungen ein, die sonst kaum noch möglich sind. Flächen von Sandmagerrasen, Wacholderheiden und lichten Kiefern-, Eichen- und Erlenwäldern verschmelzen mit vermoorten Wiesenniederungen. Dieser Naturpark ist wohl die schönste Landschaft des Gebietes am Stettiner Haff. Altwarp ist die nordöstlichste Landmarke der Bundesrepublik.

Fischfang gehörte zu dem Ort, der am Tor zur Ostsee liegt, wie das täglich Brot. Ein Grenzort ist Altwarp. Wasser trennt das Fischerdorf von der polnischen Schwester Neuwarp (Nowo Warpno). Die Schifffahrt sorgt für eine Brücke über den Neuwarper See und das Stettiner Haff. Fisch ist stets fangfrisch zu bekommen und wird in vielen Variationen in den Gaststätten angeboten.
Ein Badestrand lädt Badefreudige zur Erfrischung ein und Wassersportler finden im Stettiner Haff ein ausgezeichnetes Segelrevier vor. Ein Besuch in Altwarp lohnt sich allemal!

Altwarp besteht aus zwei Ortsteilen. Die Wohnsiedlung Altwarp entstand erst im letzten Jahrhundert von 1956 bis 1958, als sich Anfang der 1950ger Jahre der Landkreis Ueckermünde zu einem Schwerpunkt-Konzentrationsgebiet des Vorläufers der Nationalen Volsarmee, die Kasernierte Volkspolizei (KVP), entwickelte. Altwarp erhielt den Status eines Militärstandortes. Teile einer "Mechanisierten Bereitschaft" wurden hierher verlegt und stationiert. Neben Kasernenanlagen wurde für Berufssoldaten und ihren Familien eine Wohnsiedlung errichtet. Die Siedlung liegt ca. 2km vor Altwarp.

Zur Geschichte des Dorfes

Kurt Fraude vermittelt aber in seinen „Beiträgen zur Geschichte des Dorfes Altwarp" ein lebensnahes Bild über das Wirken vieler Generationen und über das Schicksal von Menschen.
Über den Ursprung Altwarps und dessen Geschichte ist jedoch so gut wie nichts bekannt. Die meisten Beiträge entstammen den Pfarrarchiven, die nach der Zeit geordnet und veröffentlicht wurden. Wer Näheres erfahren möchte, sollte auch die Geschichte Neuwarps befragen.
Altwarp, ein Dorf mit 870 Einwohnern im nordöstlichsten Zipfel des Landkreises Vorpommern-Greifswald liegt 17 Kilometer östlich von Ueckermünde. Eingebettet in eine Dünenlandschaft ist der Ort etwa zwei Kilometer von der gegenüber liegenden Landzunge entfernt, auf der sich das Städtchen Neuwarp in Polen und die Siedlung Altstadt befindet. Die Orte westlich und östlich des Neuwarper Sees verbinden eine Jahrhunderte lange Tradition, das Schicksal von Familien und das Leben in der Kirchgemeinde. Heute trennt die Grenze zwischen Deutschland und Polen die Orte.
Der Ursprung des Fischerdorfes reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Altwarp war einstmalig ein Klostergut. Es ist wahrscheinlich, dass aus dem damaligen Dorf Sosnitza (Kiefernwald)  Altwarp hervorgegangen ist. Laut Überlieferung lag es anno 1187 am Westufer des Warpschen Sees. Im Jahre 1190 ließen sich deutsche Kolonisten aus der Gegend der heutigen Uckermark in der Nähe der Siedlung Sosnisza nieder. Die Siedlung wechselte im Verlauf der Jahrhunderte öfter den Besitzer.

Das Gebiet im Nordosten der Ueckermünder Heide befand sich bis 1637 unter der Herrschaft der Pommerschen Herzöge. Nach dem Westfälischen Frieden (Ende des 30-jährigen Krieges) geriet Altwarp unter die Herrschaft der Schwedischen Krone. Durch schwedische Landmesser wurde 1693 in Pommern eine Landvermessung durchgeführt. Der Landmesser Bryngel Heßelgreen hat zwei Zeichnungen angefertigt, Plan a zeigt uns das Dorf und seine Liegenschaften. Auf Plan b sehen wir nicht nur Altwarp, sondern auch die „Staden Neuenwarpe“ (8 Häuser und 1 Windmühle), den „Rythschen Werder“, den „Kahlberg“ und außerdem nördlich vom Kahleberg, eine kleine verschwundene Insel ohne Namen. Auf dem Plan b befinden sich ferner ein Verzeichnis der damaligen Dorfbewohner.

Das Dorf Altwarp bestand damals aus einer Kirche, der Schule und 35 Wohn-häusern. Zwischen hohen Sandhügeln liegt die Kirche. Sie trägt einen Turm mit Wetterfahne. Östlich der Kirche, durch einen Zaun getrennt, bemerkt man die Schule und die Kirchenbude, zwischen beiden und dem Wasser gab es einen Hopfengarten. In der Nähe der Wohnhäuser zeigt der Plan b kleine Stücke fruchtbaren Landes, die als Gärten bewirtschaftet wurden und aus denen man den ersten Bedarf deckte.
Auf den Karten sind auch die Ländereien Altwarps angegeben. Brüche und Moraste nehmen den größten Teil der Ländereien ein. Ziel der Vermessung war die Beschaffung einer Bemessungsgrundlage für die Besteuerung. Die Vermessung erfolgte für ganz Vorpommern in der Zeit von 1692 bis 1709. Ab 1720 war die Ueckermünder Heide preußischer Besitz. Von 1806 bis 1813 besetzten dann  französische Truppen das Gebiet. Am 1. Januar 1818 wurde aus Teilen der Kreise Anklam und Randow der Landkreis Ueckermünde gebildet. Altwarp, bisher zum Anklamer Kreis gehörig, kam zum neugebildeten Kreis Ueckermünde und blieb es bis 1990 (UEM). Von 1990 bis 2013 gehörte Altwarp zum Uecker-Randow Kreis (UER). Nach der letzten Kreisgebietsreform gehört Altwarp schließlich zum Landkreis Vorpommern-Greifswald (VG).

Die Menschen ernährten sich vor wiegend von der Landwirtschaft und vom Fischfang. Der See bot selbst reichlich Fisch, und das "Frische Haff" war für die Zeesen und Tuckerfischerei* gut geeignet.

Laut der schwedischen Landbeschreibung gab es um 1690 in Altwarp 30 Bauern und 13 Einlieger. Von den ersteren waren 16 „vornehme Bauern“ ** und dreizehn von „geringer condition“. Sieben Altwarper fischten mit Zeesenbooten und ein Bewohner war ein Teerschweler.
Im 19. Jahrhundert spezialisierten sich die Fischer auf die Reusen Fischerei. Guten Ertrag brachte der Ükleifang* im See. Den Fisch konnte man als Schweinefutter verwenden und auch seine Schuppen ließen sich gut verkaufen. Aus ihnen stellte man eine Perlenessenz her, die zur Herstellung von Wachsperlen diente.
150 Jahre später beschreibt das „Landbuch des Herzogthums Stettin von Kamin und Hinterpommern oder des Verwaltungsbezirks der königl. Regierung in Stettin, erster Band“ von 1864 über Altwarp:

Altwarp, Kirchdorf, liegt an der Mündung der Warpner Bucht ins Haff, und zwar auf der westlichen Seite hart am Wasser, auf Sandboden, in welchem Hügel und Talschluchten mit einander wechseln.

Der Ort hat 1 Kirche, 1 Küsterschulhaus, 3 Gebäude zu Gemeindezwecken, nämlich das Schulzenamt, das Hirten- und 1 Torfhaus, 155 Wohnhäuser und 207 Wirtschaftsgebäude nebst 2 Bockwindmühlen. In 304 Haushaltungen beträgt die Zahl der Einwohner 1467, unter denen sich 1 Hebamme und 5 mosaische Glaubensgenossen befinden (jüdischen Glaubens).Die Feldmark begreift 5057 Mg.(ca.1264 ha), wovon aber nur 263 Mg. Acker, 332 Mg. Wiesen, 20 Mg Hütungen, 15 Mg. Gärten, dagegen 4600 Mg Waldung, 12 Mg. Hof- und Baustellen und 5 Mg. Wege sind. Von dieser Fläche gehören der Kirche 40 Mg. und der Schule 5 Mg. Ackerland und Wiesenwachs (Wiese). 150 Grundeigenthümer treiben die Landwirtschaft als Nebengewerbe. Vergleicht man ihre Zahl mit der Größe der ackerbaren Fläche, so sieht man, dass nur von einer Parzellen-Wirtschaft die Rede sein kann, in der man ein Jahr ums andere Roggen und Kartoffeln baut. Die Wiesen sind teils zwei-, teils einschnittig.Sie brauchen weder be-, noch entwässert zu werden. Die Gartennutzung ist mittelmäßig. Die bedeutende Waldefläche ist Gemeindegut.; sie ist in Kiefern, größtentheils in Schonung bestanden. Viehstand: 33 Pferde, 280 Rinder, 12 Schafe, 207 Stück Borstenvieh und 25 Ziegen. Die Fischerei wird im Haff mit 20 Fischerbooten von 60 Fischmeistern als ausschließliches Gewerbe, und außerdem von 150 Familienhäuptern getrieben. Auch Reederei beschäftigt die Einwohner von Altwarp, doch scheint das Gewerbe im Abnehmen zu sein, denn während am 1. Januar 1862 noch 8 Seesegler von 7000 Last, jedes Schiff also im Durchschnitt von 125 Last Tragfähigkeit, mit 80 Mannschaften nachgewiesen wurden, gab die, für den Anfang des Jahres 1863 zusammengestellte Liste der Experten der Stettiner See-Assecurandeurs nur 3 Küstenfahrzeuge von 23, 23 und 15 Lasten und 1 Seesegler von 90 Lasten an, also 4 Schiffe von 151 Last, davon ein jedes dem Kapitän gehörte. Ferner gehören 14 Fluss-Segler von 167 Last nach Altwarp.
Nicht die Landwirtschaft ist es, von der die Bewohner Altwarps sich ernähren, sie ist für sie ein Nebengeschäft, sondern der Betrieb der aufs Wasser angewiesenen Gewerbes sollen den Nahrungsstand dieses Dorfes ausmachen: Schifffahrt, Fischerei und Fischhandel, ganz besonders die beiden letzten Kategorien.

Heute gehen nur noch wenige Fischer in Altwarp ihrem Tagwerk nach.
Beliebt bei Altwarper Gästen sind Räucheraal, Zander, Steinlachs (Schnäpel) und Barsche. Fangfrisch ist der Fisch in jeder Gaststätte zu haben.
Zum Fischfang kam seit Mitte des 18. Jahrhundert die Schifffahrt hinzu. Als der Swinemünder Hafen ausgebaggert war, übernahmen unter anderen Leichterschiffe aus Altwarp (1751 ) die Waren und beförderten sie nach Stettin. Erst 1875 bis 1880 wurde ein Kanal, der die Ostsee mit dem Stettiner Haff und der Oder verband ausgebaggert (Kaiserfahrt). Nun konnten Seeschiffe direkt den Stettiner Hafen erreichen.
Altwarper Kapitäne befuhren auch die großen Meere und brachten bescheidenen Reichtum ins Dorf. Altwarper Flussschiffer beförderten mit Kähnen schwere Frachten auf der Oder in Richtung Schlesien oder Böhmen hinauf. Die Einwohnerzahl stieg um 1865 auf 1450 an. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt endete die Blütezeit der Segelschifffahrt. Bis 1925 sank die Einwohnerzahl dann auf 1000 ab und reduzierte sich bis 1939 nochmals um 500.

1937 bis 1939 errichtete die Wehrmacht einen Truppenübungsplatz (Flakschießplatz) auf der Halbinsel. Altwarp wurde Wehrmachtseigentum. Eigentümer wurden entschädigt. Ein Großteil der Einwohner, insbesondere die Fischer, wurde in das benachbarte Altstadt umgesiedelt. Dort fanden sie für ein paar Jahre eine neue Heimat. Andere suchten im Kreis Ueckermünde eine Bleibe und manche Einwohner wurden als Bedienstete der Wehrmacht eingestellt.
In der Nähe des Dorfes selbst entstanden Barackenlager für Truppen und Kriegsgefangene, die im Wehrmachtsgut arbeiteten und zu Bauarbeiten, z. B. einer Bahnstrecke Ueckermünde-Altwarp herangezogen wurden. Das Kriegsende verhinderte den vollständigen Ausbau des Übungsplatzes und Umsiedlung der Dorfbewohner nach Altstadt.

1945 bis 1946 mussten die ehemaligen Altwarper wiederum Ihre neue Heimat aufgeben, nachdem das Gebiet östlich der Oder Polen zugesprochen wurde. Nunmehr wohnten Sie wieder in ihren alten Häusern in Altwarp, aber nicht mehr als Eigentümer. Nach 1945 führte Altwarp durch seine Lage an der Grenze ein idyllisches und abgeschiedenes Leben. Frühere Handels- und Verkehrsbeziehungen zu Neuwarp oder Stettin gab es nicht mehr. Die Fischerei, Landwirtschaft und die NVA (nach 1955) gaben nun den Altwarpern Arbeitsmöglichkeiten.
Nach 1990 ergaben sich für die Gemeinde neue Entwicklungs­chancen. Mit dem abgeschlossen Hafenausbau bot Altwarp für den Ausflugsschiffsverkehr neue Möglichkeiten. Touristen und Einheimische konnten per Schiff die Insel Usedom auf deut­scher und polnischer Seite erreichen. Altwarp wurde ein viel besuchter Touristenort. Zwischen Polen und Deutschland blühte hier der zollfreie Einkauf, „Butterschifffahrt“ genannt.
Vom zollfreien Einkauf profitierten Deutsche wie Polen. Mit dem Beginn des zollfreien Einkaufes nahm der Ort Altwarp einen beispiellosen Aufschwung. Straßen und Wege konnten ausgebaut werden. Seit dem Beitritt Polens zur "Europäischen Union" ist die Butterschifffahrt jedoch beendet. Seit dem "Schengener Abkommen" entfallen auch Passkontrollen. Der Besucherverkehr versiegte fast vollends. Die Fahrgastschiffe wurden abgezogen. Langsam entwickelt sich in Altwarp wieder der Tourismus.


 J.N.