Standort 1962 bis 1990

Die nun leer gezogene Kasernenanlagen durch das 9. Flakregiment, wurden ab Frühjahr 1962 durch Einheiten einer vollkommen neuen Waffengattung der NVA, der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV) bezogen.
In einer weiteren Entwicklungsetappe des Aufbaus der LSK/LV formierten sich ab 1961 die bisherigen Fliegerdivisionen, Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten zu zwei gemischten Luftverteidigungsdivisionen (1. und 3. LVD) mit neuen Aufgabenschwerpunkten.
Die 1. LVD wurde um Berlin und südlich davon stationiert. Und die 3. Luftverteidigungsdivision (3. LVD) war im Norden der DDR beheimatet, Der Stab befand sich in den Kasernenanlagen um den Flugplatz Trollenhagen. Nach Altwarp wurden zunächst die Funktechnische Ausbildungskompanie 33 (FuTAK-33), Kfz-Transportkompanie 33 (KfzTK-33), Kfz-Werkstatt und Kfz-Gerätelager 33, Munitionslager 33 und Versorgungslager 33 verlegt.

In der Zeit 1961 bis 1964 wurden neben den Jagdgeschwadern (JG) der LVD fünf Fla-Raketenregimenter (FRR) mit je vier Feuerabteilungen und einer Technischen Abteilung neu aufgebaut und den Luftverteidigungsdivisionen zugeordnet. So entstanden 1961 in den Orten Weggun (bei Prenzlau), Kreuzbruchhof (bei Burg– Stargard), Eichhof (bei Ferdinandshof) und Altwarp je eine Fla.-Raketenabteilung. Alle vier Abteilungen bildeten das Fla.-Raketenregiment 17, später in 23 umbenannt. Der Stab des Regiments wurde in Stallberg (bei Pasewalk) stationiert.
Westlich, nordwestlich und östlich waren weitere Fla.-Raketen-Truppenteile entstanden. Westlich war das FRR-13 vorgelagert, und der östliche Nachbar war das 36. Flugabwehr- Raketengeschwader der 26. polnischen Artillerie- Brigade (Standort Dobra), unweit Stettins. Zu der in Dobra stationierten Abteilung unterhielt die FRA-231 freundschaftliche Verbindungen. Die Fla.-Raketentruppen wurden bis zu ihrer Auflösung weiter ausgebaut und modernisiert. Und nordwestlich formierte sich in den 1970er Jahren die 43. Fla-Raketenbrigade, ein Großverband, der am Ende mit modernster Technik ausgerüstet war.
Auf einer weitern  Seite wird der Entstehung der neuen Waffengattung Luftverteidigung von 1964 bis 1090 breiter Raum gewidmet. Es wird der Versuch unternommen, das militärische Bild der Flaraketenabteilung-231 in Altwarp und deren Entwicklung anhand der noch vorhandenen Erinnerungen und wenigen Dokumenten zu skizzieren.
Die Offiziere der aufzustellenden Fla.-Raketenregimenter entstammten den schweren Flakeinheiten der NVA, die nach und nach aufgelöst wurden. Die Umschulung
auf die neue Technik erfolgte an Lehreinrichtungen der Sowjetarmee in der UdSSR.

Anmerkung. Um 1989 vermehrten sich Gerüchte, rings in den Wälern um Altwarp sollen Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert gewesen sein. Das Gerücht hielt sich noch, als die Waffengattung bereits aufhgelöst war. Was war also dran, an den Gerüchten?
In der "Nähe Altwarps" war wie erwähnt die Fla.-Raketeneinheit- 231 (FRA-231) stationiert. Sie war mit einem sowjetischen Fla- Raketensystem ausgerüstet, und diente ausschließlich der Luftabwehr. Die Ausrüstung der Truppen oder Landesverteidigung mit Fliegerabwehrkanonen zeigte schon während des 2. Weltkrieges wenig Wirksamkeit. Die Fliegerabwehr musste anders, effektiver organisiert werden. Und das konnte nur mit Raketen geleistet werden. So entstand dann in den 1950er Jahren nach und nach eine neue Waffengattung unter strengster Geheimhaltung, und natürlich entsprechende Gerüchte. Es ist jedoch wahr, dass die Sowjetunion für dieses Waffensystem eine Rakete entwickelt hatte, die einen 15 kT-Sprengkopf tragen konnte, die Rakete 15D. Diese Raketen wurden jedoch nie von der SU exportiert. Auch die Vermutung, dass die Raketen geeignet waren, chemische Kampfstoffe zuverschießen, ist an sich schnell widerlegt. Die vorhandenen Raketen besitzen als Antrieb ein Flüssigkeitstriebwerk, welches mit einem Zweikomponententreibstoff angetrieben wurde. Das waren die Komponenten "O" wie Oxidator und "B" wie Brennstoff. Der Brennstoff trug die Tarnbezeichnung "Samin". Das wäre eventuell zu verwechseln mit "Sarin" oder"Soman". Das waren chemische Kampfstoffe, die aber ganz andere chemische Zusammensetzungen hatten und als Raketentreibstoff ungeeignet sind. Der Brennstoff "B" war sehr aggressiv und gesundheitsschädigend. Aus diesem Grund musste das Personal beim Umgang mit dem Treibstoff, zum Beispiel beim Betanken der Raketen, eine Schutzausrüstung tragen. Der Oxidator ist konzentrierte Salpetersäure und war im Umgang ebenso gefährlich und erforderte angelegte Schutzausrüstung. Und weil auch im Übrigen sehr wenig über die Abteilung bekannt war und strengster Geheimhaltung unterlag, sollen wenigstens im „nachhinein“ einige Informationen darüber Aufschluß geben, „was da hinter den Zäunen vonstatten“ ging.