Standort 1952 bis 1990

Als 1952 der Landkreis Ueckermünde zu einem Schwerpunkt-Konzentrationsgebiet der Entwicklung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) wurde, erhielt Altwarp den Status eines Militärstandortes. Teile der "Mechanisierten Bereitschaft Eggesin" wurden hierher verlegt und stationiert. In Zelten und Feldparks wurden in den Wäldern rund um Altwarp von Juli bis September 1952 die ersten Einheiten disloziert.
Im Standort Altwarp I wurden ab Herbst 1952 folgende Einheiten stationiert:
1952:

  • Dienststelle "Dienst für Deutschland"
    Der Dienst für Deutschland (DfD) war ein freiwilliger kasernierter Arbeitsdienst, der in der DDR im Jahr 1952 eingerichtet wurde. Der DfD entstand aus einer FDJ (Freie Deutsche Jugend) Initiative heraus. Der DfD wurde als ein Arbeitsdienst für 17-jährige Jungen und Mädchen auf freiwilliger Basis eingerichtet. Arbeitseinsätze erfolgten auf Großbaustellen im Zuge des Aufbaus der NVA, wie Prora und Eggesin. Vorrangig wurden Erdarbeiten und „Handlangerdienste“ geleistet. Neben den Arbeiten war auch eine vormilitärische Ausbildung vorgesehen. Die Ausbildung beinhaltete eine militärische Grundausbildung, Schießübungen, Topographieunterricht, taktische Geländespiele und für weibliche Angehörige des DfD eine Sanitätsgrundausbildung. Der geplante Umfang wurde aber nie erreicht. Die Lager wurden vor allen im menschenarmen Nordosten der DDR errichtet. Im Herbst 1952 existierten z. B. hier die Lager Altwarp, Karpin sowie andere. Das waren auch die Standorte vieler Kasernenneubauten. Der DfD erwies sich als unwirtschaftlich. Wegen dieser Unwirtschaftlichkeit und nicht zu bewältigender organisatorischer und disziplinarischer Schwierigkeiten erfolgte zunächst im November 1952 die Auflösung aller Mädchenlager, im Januar 1953 die Auflösung des gesamten DfD. Später jedoch wurden in anderer Form große Jugendprojekte realisiert, z. B. die große Friedländwer Wiese.

  • Ein S-5 Kommando, S-5 war die Tarnbezeichnung für Flakartillerie in der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) und Kasernierten Volkspolizei.
  • Kraftfahrzeugkompanie
  • eine Fraftfahrzeugschule
  • 1954:
  • S-6 Kommando (Granatwerfer)

Ab September 1952 wurde mit dem Bau der ersten Kasernen begonnen, die im Frühjahr 1954 im wesentlichen fertiggestellt wurden. Im Winter 1952/53 wurden die Einheiten in ihre Winterquartiere zurückverlegt. Der Bau der Wohnsiedlung Altwarp I begann 1954 und wurde 1956 fertiggestellt. Hier wohnten ca. 70 Berufssoldaten mit ihren Familien.
Ab 15.09.1956 wurde in Eggesin die 9. Panzerdivision der NVA aufgestellt. Das S-5 Kommando in Altwarp wurde zum Flakregiment-9 umstrukturiert. 1957 wurde dieses Regiment mit neuer Technik, Flak- Selbstfahrlafetten (Fla-SFL 57 mm) ausgerüstet. Am 01.03.1959 erfolgte die Übergabe der Truppenfahne an das Regiment-9. Schon im August 1961 erfolgte der Umzug in den Standort Eggesin/Karpin. Die Kraftfahrzeugkompanie und die Kraftfahrzeugschule blieben zunächst am Standort. Parallel entstand 1956 eine Kfz.-Werkstatt in Altwarp. Der Umzug zum Standort Eggesin/Karpin erfolgte schließlich im August 1961.
Die nun leer gezogene Kasernenanlagen wurden ab Frühjahr 1962 durch Einheiten der Rückwärtigen Dienste einer vollkommen neuen Waffengattung der NVA, der 3. Luftverteidigungsdivion (3. LVD) bezogen.
In der weiteren Entwicklungsetappe des Aufbaus der LSK/LV formierten sich 1961 die bisherigen Fliegerdivisionen, Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten zu zwei gemischten Luftverteidigungsdivisionen (LVD) mit neuen Aufgabenschwerpunkten.
Die 3. Luftverteidigungsdivision (3. LVD) war im Norden beheimatet. Der Stab befand sich in den Kasernenanlagen um den Flugplatz Trollenhagen.
In Altwarp waren folgende der 3. LVD direkt unterstellten Einheiten eingezogen: der Kfz.-Transportzug 33, die Kfz.-Werkstatt 33, das Kfz.-Gerätelager 33, das Chemische und Pioniergerätelager 33, das Munitionslager 33 und Versorgungslager 33.

In der gleichen Zeit bis 1964 wurden fünf Fla-Raketenregimenter (FRR) in der 3. LVD aufgebaut. Das FRR-17 erhielt seinen Stansort im Raum Neubrandenburg – Ueckermünde – Pasewalk – Prenzlau. In Stallberg, bei Pasewalk, wurde der Stab und die Technische Abteilung des Flaraketenregiment aufgebaut und stationiert, die Fla.-Raketenabteilung-171 in Altwarp. Mitte der 70er kam es zu Strukturveränderungen und 1981 wurde das Flaraketenregiment-17 in Flaraketenregiment-23 umbenannt. Die Fla.-Raketenabteilung Altwarp war nun die FRA-231.

Die Kommandeure der Flaraketenabteilung in Altwarp waren:
Major Fritz, Oberstltn. Heimbuch, Oberstltn. Dietzschold, Oberstltn. Seidel, Major Löffler. Die Flaraketenabteilung wurde 1990 aufgelöst.

Des weiteren lag in Altwarp ein Stützpunkt der Grenzbrigade/Küste mit zwei Schiffen und ca. 30 Mann. Viele Einwohnerinnen und Einwohner von Altwarp sowie der umliegenden Dörfer fanden als Zivilbeschäftigte in den drei NVA- Dienststellen bis 1990 Lohn und Brot, mancher auch seine Liebe fürs Leben. Die Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit bewohnten wegen der Nähe zur Dienstelle die Siedlung.

Die Liegenschaft der ehemaligen NVA- Dienststelle wurde nach 1990 verkauft. Weitreichende Pläne einer Gewerbeansiedlung zerschlugen sich. Verschiedene Gebäude wurden mit Photovoltaikanlagen bestückt. Die restlichen Gebäude sind dem Verfall preisgegeben.

Im weitern soll der Versuch unternommen werden, das militärische Bild der Flaraketenabteilung-231 in Altwarp und deren Entwicklung anhand der noch vorhandenen Erinnerungen und wenigen Dokumenten zu skizzieren.


Quelle: "Militärgeschichtliche Skizzen über den Landkreis Ueckermünde 1949-1990" von Willi Eckert